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Traumatherapie

„Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben”

Was ist Traumatherapie?

TLichtung im Laubwaldrauma:

Ein Psychotrauma ist eine seelische Wunde, die auf einzelne oder mehrere Ereignisse zurückgeht, bei denen im Zustand von extremer Angst und Hilflosigkeit die Verarbeitungsmöglichkeiten des Individuums überfordert waren. Fischer und Riedesser definieren in ihrem „Lehrbuch der Psychotraumatologie“ (München, 1998) den Begriff „Psychotrauma“ wie folgt: „... ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“
Ein Trauma wird also durch stresserzeugende Ereignis verursacht, die sich außerhalb normaler menschlicher Erfahrung bewegen und nahezu auf jeden Menschen belastend wirken. Es handelt sich hierbei um massive Bedrohungen des Lebens oder der körperlichen Integrität; schwerwiegende Bedrohungen oder Schädigungen der eigenen Kinder, des Ehepartners,anderer naher Verwandter oder Freunde; plötzliche Zerstörung der eigenen Wohnung oder der erweiterten Lebensgemeinschaft; der Anblick eines Menschen, der durch einen Unfall oder durch körperliche Gewalt schwer verletzt oder getötet worden ist:
Wie der Geist so reagiert auch der Körper auf traumatische Situationen. Er ist bereit aktiv zu werden, wechselt in einen Zustand angstvoller Anspannung und erstarrt, kollabiert in hilflosem Schrecken. So wie die Schutzreaktion des Geistes auf überwältigende Erlebnisse nach deren Ende abflaut und sich der Normalzustand wieder einstellt, so sollte sich eigentlich auch die Reaktion des Körpers nach dem Ende des Ereignisses wieder normalisieren .Wird dieser Normalisierungsprozeß jedoch gestört, so werden die Auswirkungen des traumatischen Erlebnisses fixiert, und bei der betreffenden Person entsteht ein Trauma.

Solch ein traumatisierendes Ereignis führt bei etwa 20% der Betroffenen zu offensichtlichen posttraumatischen Belastungsstörungen. Posttraumatische Belastungsstörungen sind ein lange bekanntes und gut beschriebenes Krankheitsbild. Diagnostiziert wird die posttraumatische Belastungsstörung jedoch erst seit 1980, mit ihrer Aufnahme in die 3. Version des Diagnostischen und Statistischen Manuals psychischer Störungen (DSM - IV).

Die drei diagnostischen Kriterien sind:

      * Einbrüche von Trauma-Material in den Alltag (Intrusionen),
      * Vermeidung (Avoidance) und
      * Übererregung (Hyperarousal).

Stacheldraht mit SpinnenfädenBei den wesentlich häufigeren komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen kommen formal noch Dissoziative Störungen hinzu, die allerdings mit den genannten drei Kriterien in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Unter Intrusionen fallen auch die sogenannten Flashbacks. Dabei kommt es u. U. noch Jahrzehnte nach dem Ereignis zu sich aufdrängenden extrem unangenehmen Wiedererinnerungen an das Ereignis, so als laufe es wie in einem Film noch mal ab. Auch in Träumen kann sich die intrusive Symptomatik widerspiegeln. Die Vermeidung ist gekennzeichnet dadurch, dass die Person Dinge, Situationen, Themen und sogar Gefühle, die an das Trauma erinnern, bewusst und unbewusst vermeidet. Die psychovegetative Übererregung wie starke Angst, Beklemmung und Schreckhaftigkeit zusammen mit körperlichen Symptomen gehören zum Symptomenkomplex Hyperarousal.

Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung wird in der Praxis oft weiter gefasst als im DSM-IV bzw. ICD-10 vorgesehen, da neuere Studienergebnisse zeigen, dass nach einem traumatisierenden Ereignis auch solche Patienten, welche die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung nur teilweise erfüllen, einen erheblichen Leidensdruck sowie umfangreiche Symptomatik aufweisen können und Behandlung benötigen. Die Auswirkungen eines traumatischen Ereignisses hängen sowohl vom Ereignis als auch von den Verarbeitungs- und Bewältigungsmöglichkeiten des betroffenen Individuums ab. Daher entwickeln sich unterschiedlichste Störungsmuster. In der Resilienzforschung wird untersucht, welche persönlichen Schutzfaktoren und Fähigkeiten eine Bewältigung extremer Ereignisse erleichtert. Jedoch bleibt klar, dass bestimmte Ereignisse für beinahe jeden Menschen eine Bedrohung und Überforderung darstellen, die auch bei bester seelischer Gesundheit kaum symptomlos verarbeitet werden kann. Die persönlichen Vorbedingungen beeinflussen sowohl die Symptomatik als auch Verlauf und Prognose erheblich, was normalerweise eine kombinierte Trauma- und psychodynamische Behandlung erfordert.

Methoden der Traumatherapie:

Hinter dem Begriff steht eine Reihe unterschiedlicher therapeutischer Ansätze, Modelle und Methoden. Jede große psychotherapeutische Schule hat einen eigenen Ansatz zur Behandlung traumatischer Störungen entwickelt. So z. B. Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie bzw. Verhaltenstherapie und psychoanalytische Verfahren.

Aus der inzwischen auch neurophysiologisch untermauerten Erkenntnis, dass traumatisierte Menschen eine von anderen psychologischen Störungsbildern deutlich verschiedene Dynamik und Physiologie aufweisen, haben sich auch Methoden entwickelt, die speziell der Trauma-Behandlung dienen. Letztlich ist das gemeinsame Ziel, zu einer geordneten Verarbeitung des Traumas bzw. der Traumata zu kommen und dadurch die traumatypischen Symptome entweder zu begrenzen bzw. kontrollieren oder aufzulösen. Hilfe zur Integration der verschiedenen Ansätze verspricht die neuerdings gewonnene Fülle an neurophysiologischen Erkenntnissen über Traumatisierung.

Debriefing: Eine umstrittene Methode, die besonders bei Massenereignissen genutzt wird. Die erlebte Geschichte wird im Kreise der Betroffenen wieder und wieder erzählt, bis die Erregung beim Erzählen abflacht und eine gewisse Integration stattfindet. Es ist mehr eine Soforthilfe als ein Therapieverfahren. Bei Menschen, die auch das Bedürfnis haben zu erzählen, hat dieser Ansatz Erfolge gebracht, bei den anderen kann die Verarbeitung dagegen sogar erschwert bzw. das Trauma vertieft werden.

EMDR: Bei dieser Methode wird eine intensive Koordination und Zusammenarbeit beider Hirnhälften angestrebt, um zu einer schnelleren und tieferen Integration des Geschehens zu kommen. Wie auch bei den anderen Verfahren braucht es einen erfahrenen Behandler, der in der Lage ist, Umfang und Tiefe der Traumabearbeitung zu kontrollieren.

Imaginative Verfahren: Sie nutzen tiefere Schichten der Psyche durch die Verwendung von inneren Bildern, traumähnlichen Verarbeitungswegen und der Arbeit mit inneren Teilen und Aspekten. Dadurch kommen sie psychisch zu einer tiefen Ebene der Verarbeitung.

siehe auch:

      * Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie
      * Ego-State-Therapie

Narrative Verfahren:

Im Traumaopfer besteht meist ein innerer Drang, die verlorenen oder isolierten Elemente des Traumas zu einer Geschichte zusammenzufügen, diese mit Sinn oder Bedeutung zu verbinden und in die persönliche Lebensgeschichte zu integrieren (vgl. Narrative Expositionstherapie). Erzählende Verfahren haben das Ziel, zu dieser zusammenhängend erzählten Geschichte zu kommen, in der es möglich ist, alle Trauma-Elemente einzubinden sodass schließlich starke Emotionen oder körperliche Reaktionen abnehmen. Mittlerweile gibt es gute empirische Evidenz für die Wirksamkeit der Narrativen Expositionstherapie bei einfachen und multiplen Traumata. Diese Therapiemethode wird auch international empfohlen (vgl. 'NICE guidelines' - National Institute for Health and Clinical Excellence).

Somatic Experiencing:

Ein neurophysiologisch-psychologischer Ansatz, der die Geschichte des Traumas über die Körperreaktionen verfolgt und auf mehreren Ebenen die Geschichte, deren Bedeutung, die Traumaelemente und -reaktionen zu einer inneren Lösung bringt. Somatic Experiencing bietet auch das Werkzeug mit den vielen weniger beachteten dissoziativen Symptomen zu arbeiten und setzt noch unterhalb der Psyche bei den biologischen Überlebensreaktionen, die den Kern der Trauma-Reaktion bilden, an. Trauma wird nicht als Krankheit, sondern als eigentlich physiologisch sinnvolle Reaktion des Organismus angesehen, die nicht zum Abschluss gebracht werden konnte.

Trauma- und Körperorientiertes Behandlungsmodell:

Ein Beispiel dafür gibt das SPIM-20-KT. Das Somatisch-Psychologisch-Interaktive Modell in der Standard-20-Version zur psychotherapeutischen Behandlung von Komplextraumatisierten und anderen Störungsgruppen ist ein trauma- und körperorientiertes Einzel- und Gruppentherapiekonzept, das neue Akzente in der traumatherapeutischen Behandlung setzt. Es kommen spezielle Therapiemedien zum Einsatz, die die gestaltatmosphärische Einrichtung von originären Settings in der Kinder- und Erwachsenentherapie erlauben. In bestimmten Behandlungsetappen werden Interventionen zur frühkindlichen Nachnährung und Rolleninszenierungen diagnostisch und therapeutisch mit Aspekten von Spiel und Ernst vereint.

Verhaltenstherapeutische Ansätze: Wesentliche Elemente, besonders die so genannten "Trigger", die die äußeren oder inneren Auslöser für das Trauma stellen, verketten einen Reiz mit einer unerwünschten Reaktion. Verhaltenstherapie versucht die einzelnen Elemente, die eine traumatische Reaktion hervorrufen, zu identifizieren und die Reaktion vom Reiz abzukoppeln, und somit die Auslösung der Traumasymptome zu erreichen.

Die verschiedenen Methoden können einander ergänzend gesehen werden als multidimensionale Ansätze für ein multidimensionales Geschehen.

Geschichte der Traumatherapie:

Die Traumatherapie unterliegt einem wechselnden Rhythmus von Wiederentdecken und Verdrängung. Bei massenhaftem Auftreten von Traumatisierungen wurde das Thema jeweils akut. Danach ist es selbst in Fachkreisen wieder vergessen worden. In der heutigen Literatur wird wiederholt auf Jean-Martin Charcot und seine Erforschung der "Hysterie" im Paris des ausgehenden 19. Jahrhundert hingewiesen. Danach erlangte das Thema infolge der Weltkriege erneut Aktualität. Kriegsneurosen wurden am Tavistock-Institut erforscht, von Bion wurde dort die Gruppenanalyse entwickelt. In den 70er Jahren erfuhr die Traumaforschung und ihr folgend die Traumatherapie einen neuen Aufschwung durch die Vietnam-Kriegsveteranen. Impulse zur Weiterentwicklung kamen auch von der Beschäftigung mit Spätfolgen und generationsübergreifenden Folgen des Holocaust, aus der Frauenbewegung zu den Themen sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und häusliche Gewalt sowie aus den psychosozialen Zentren für Flüchtlinge zu den Folgen von Folter, politischer Verfolgung, (Bürger)krieg und Zwangsprostitution. Neuerdings wird das öffentlich Interesse auch durch die mediale Verbreitung von Katastrophen wie dem Zugunglück in Eschede 1998, dem Anschlag auf das World Trade Center 2001, der Tsunamikatastrophe in Asien 2004 oder bei Opfern von Entführungen auf die Folgen von Traumata gelenkt. Dabei wurde festgestellt, dass die gehirnphysiologischen Prozesse und die Symptome der Traumatisierung ähnlich sind, egal ob das Trauma im Schützengraben, bei einem Autounfall oder durch eine Vergewaltigung erlitten wurde. Dies gab der heutigen Traumatherapie eine breitere Basis und allgemeine Bedeutung.